Image for Das Ethereum Ökosystem

Von Dennis Schlegel


Um die Ethereum-Blockchain herum entwickelt sich ein eigenes Ökosystem


Im September fand die BlockchainWeek, die weltweit größte Blockchain-Entwicklerkonferenz, in Shanghai statt. Die Konferenz beinhaltete unter anderem Ethereums eigene dreitägige Konferenz, Devcon2. Insgesamt nahmen hier knapp 1.000 Entwickler teil, darunter auch Vertreter aus dem Bankensektor, der Industrie und zahlreichen weiteren Branchen. Die Veranstaltung hat verdeutlicht: das Ökosystem um die Ethereum Blockchain wächst.


Ein Business Ökosystem wird nach J. Moore (1993) wie folgt definiert: „an economic community supported by a foundation of interacting organizations and individuals—the organisms of the business world.“ Das Fundament in Ethereum’s Okösystem bildet die Ethereum Blockchain, die als dezentrale Rechenplattform Smart Contracts ermöglicht. In diesem System, das Analogien zu einem biologischen Organismus aufweist, sind alle Netzwerkteilnehmer durch die digitale Währung Ether verbunden, die als eine Art Treibstoff peer-to-peer Transaktionen ermöglicht.


Die Entwicklung von dezentralen Applications steht erst am Anfang


Die Ethereum Blockchain wurde Mitte 2015 im Beta-Modus initiiert und befindet sich immer noch in der Entwicklungsphase. Nichtsdestotrotz sind schon zahlreiche Entwickler aus der Kryptoszene und namhafte Unternehmen der Old Economy auf das Potential des Ökosystems aufmerksam geworden. Die Webseite dapps.ethercasts.com gibt eine Übersicht inkl. Entwicklungsstatus zahlreicher Anwendungen, die auf der Ethereum Plattform entwickelt werden. Aktuell (Stand 09.10.2016) sind 298 dApps (decentralized applications) gelistet. Hier finden sich Projekte von Einzelpersonen über Start-Ups bis zu Unternehmen der Big Four der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (Deloitte, Ernst & Young, PricewaterhouseCoopers und KPMG). Die Anwendungsfelder erstrecken sich über ein breites Specktrum: von Webbrowsern und APIs über dezentrale Pokerspiele, Crowdfunding-Plattformen und Energiemärkte bis zum Management der digitalen Identität, der Sharing Economy und sozialer Netzwerke. Darüberhinaus arbeiten zahlreiche Unternehmen wie J.P. Morgan an der Entwicklung eigener, privater Blockchains auf Basis von Ethereum.


Ethereum’s Blockchain ist als Open-Source Projekt frei zugänglich. Während traditionelle Business Ökosysteme noch mehr oder weniger zwischen den Sphären Core Business, Extended Business und Business Ecosystem geteilt sind (Moore, 1993), verschwimmen diese Grenzen in einem Ökosystem, das auf Open-Source Technologie basiert. In diesem dynamischen und kollaborativen Entwicklungsprozess werden Netzwerkeffekte stark begünstigt. Open-Source fördert den Verbreitungsgrad der Software und die Weiterentwicklung der Technologie durch Communities und Teilnehmer innerhalb des Netzwerks. Basierend auf vorhandenen Komponenten können neue Lösungen und Anwendungen schnell entwickelt werden. Dadurch neigt ein Open-Source Ökosystem eher zu exponentiellem als linearem Wachstum.


Ethereum ist nach Bitcoin die zweitwertvollste Blockchain


Um das wahre Potential der Ethereum Blockchain zu identifizieren ist also die Beobachtung der wachsenden Anzahl an Netzwerkteilnehmern, Infrastrukturkomponenten und Anwendungen unumgänglich. Eine kommerzielle Bewertung der Ethereum Blockchain ist indirekt über die Marktkapitalisierung von Ether gegeben. Obwohl Ether ursprünglich von der Ethereum Foundation nicht als Währung gedacht wurde, wird es heute auch als solche genutzt. Momentan ist Ether mit einer Marktkapitalisierung von rund einer Milliarde US Dollar die zweitwertvollste digitale Währung (coinmarketcap.com) nach Bitcoin (ca. 10 Mrd. US Dollar Marktkapitalisierung). Zentral für die Funktionalität und damit den Erfolg von dApps ist der Reifegrad der eingesetzten Smart Contracts. Laut Peter Vessenes, 2016, überschritten der KPI „Bugs per Line of Code“ noch 100 Bugs per 1.000 Lines (Industriedurchschnitt 15-10/1.000). Vor allem das Fiasko um den TheDAO Hack hat Thematik Codequalität ins Rampenlicht gerückt. Weitere Leistungsindikatoren der Ethereum Blockchain wie die Hashrate, Netzwerkschwierigkeit, Blockzeit und Transaktionen können auf der Website ethstats.net eingesehen werden.


Der nächste Meilenstein in Ethereums Entwicklungsphase, Metropolis, zielt auf die Einleitung einer Mainstream-Phase ab, bei der Anwendungen für Endverbraucher entstehen sollen. Während in 2016 die meisten Projekte noch unter einem Proof-of-Concept-Status stehen, wird für 2017 die erste Kommerzialisierungswelle von dApps erwartet. Ethereum ist dabei ein Ökosystem aufzubauen, das nicht nur das Potential hat, Geschäftsmodelle der Old Economy in Frage zu stellen, sondern einen ganz neuen Blue Ocean an Unternehmen, Technologien und Geschäftsmodellen hervorzubringen.


Interessante Unternehmen aus dem Ethereum Ökosystem


  • ETHCORE - Ethereum Browser
  • Deloitte - Blockchain-Beratungsdienstleistung
  • R3 - Führendes Blockchain-Konsortium der Finanzindustrie
  • Microsoft Azure - Blockchain as a Service (BaaS) Angebot
  • CONSENSYS - Etehereum-Blockchain Incubator
  • TRANSACTIVEGRID - Peer-to-Peer Energiehandel
  • ujoMUSIK - Direktvermarktung von Musikinhalten
  • BALANCE - Dezentrale Buchhaltung (“Triple-Entry Accounting system”)
  • GNOSIS - Dezentrale Prognosemärkte
  • BoardRoom - Dezentrale Plattform zur Organisationsverwaltung
  • dappSTORE - Markt für dezentrale Applikationen
  • EX - Dezentrale Handelsplattform für Kryptowährungen
  • AKASHA - Dezentrales Social Media Netzwerk
  • WeiFund - Crowdfundingplattform auf der Ethereum-Blockchain
  • Singular - Entertainmentplattform